Jean-Pierre Velly

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Biografischer Abriss

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Biografischer Abriss


Pierre Higonnet


Aus dem Französischen von Marie-Louise Brüggemann




»›Und sie bewegt sich doch!‹ … Was soll denn das heißen? Es soll heißen, dass du früher geglaubt hast, du seiest der Mittelpunkt des Universums auf Erden gewesen, und dass alles sich um dich dreht. Doch du erkennst, dass du es bist, der sich um all die Dinge dreht, dass die ganze Welt sich bewegt, dass es kein eigentliches Zentrum gibt. Dass nichts im Leben festgelegt ist … Das gilt übrigens auch für die Pflanzen … denn ich werde jetzt, wenn ich das nächste Mal einen Blumenstrauß überreiche, Brennnesseln schenken! Weil niemand sie anschaut … die Brennnesseln! Eine schöne rote Rose hingegen, Orchideen, die jetzt künstlich in Gewächshäusern wachsen … – doch ein schöner Strauß Brennnesseln … wenn man beginnt, ihn zu betrachten, ist gar nicht so schlecht!«


(Jean-Pierre Velly im Gespräch mit Michel Random, 1982)


Jean-Pierre Velly wurde am 14. September 1943 in Audierne, Département Finistère, geboren. Im Alter von vier Jahren kann er schon lesen und schreiben, und er ist ein geborener Künstler: Sehr früh beginnt er bereits zu zeichnen und zu malen. Das Meer, die Küstenlandschaft, das Licht des Nordens und die bretonischen Sagen hinterlassen zudem einen nachhaltigen Eindruck, der später in vielen seiner Werke zu spüren sein wird. Dabei ist seine Jugend von zahlreichen Ortswechseln geprägt. Er hat in immer wieder anderen Hafenstädten gelebt, denn sein Vater ist bei der Wasserschutzpolizei erst in Bizerte, dann in Cherbourg, in Le Havre und schließlich in Toulon. Mit etwa 16 Jahren schreibt er sich dort auch an der Kunsthochschule ein. Er ist neugierig und versucht sich in allen nur möglichen Techniken: Außer einer Unmenge von Skizzen fertigt er Pastelle an, oft sehr großformatige Bilder; doch er modelliert auch und beschäftigt sich mit Grafik. Sehr schnell schließt er sich mit drei anderen Studenten der Kunsthochschule zusammen und gründet die berühmt-berüchtigte Gruppe der Mousquetaires.


Die jungen Männer malen und zeichnen gemeinsam in Ollioules in der Nähe von Toulon. Die Alpilles im Herzen der Provence mit ihren Felswänden, Grotten, Höhlen und Abgründen sind dort schwindelerregend: Es gibt Unmengen von verdorrten Bäumen, Gebeinen, Schneckengehäusen, und endlose Horizonte. Der Rahmen seiner künftigen Arbeit ist geschaffen. Sonntags oder abends gehen sie im Übrigen zusammen ins Kino, schauen sich Horrorfilme an und begeistern sich für die Romane von Lovecraft. Den Sommer verbringt der Künstler hingegen bei seinen Großeltern in Audierne und malt. Er malt die Familienmitglieder, er malt die Landschaft, den Hafen, die Kirche, die kleinen Häuser.


Selbstbewusst will er früh seiner Familie beweisen, dass er von seiner Kunst leben kann. Im Sommer 1959 – er ist 16 Jahre alt – stellt er seine Bilder im Hôtel de la Plage in Audierne zum ersten Mal aus. Die Werbeplakate dafür entwirft er selbst. Wieder im Süden, nimmt er mit seinen Freunden zudem an einer gemeinsamen Ausstellung in einem Hotel der Region teil (wenngleich seine Lehrer davon wenig begeistert sind).


Er bemüht sich um Stipendien und Preise und gewinnt auch einige – darunter einen Aufenthalt in Florenz im Sommer 1961. Zugleich arbeitet er an seinem Wechsel nach Paris, denn mit Macht zieht es ihn in die Hauptstadt. Die Kunst ist für ihn zu einer Religion geworden, was durchaus zu seiner katholischen Überzeugung passt. (Er geht regelmäßig zur Messe und häufig auch zu Abbé Ducheyron, einem liberal denkenden Geistlichen, der ebenfalls Maler ist und ihm von einem Freund, Michel Prioun, der Priester werden will, vorgestellt wurde.)


Nachdem er die Aufnahmeprüfungen für die Kunsthochschule bestanden hat, zieht er im September 1961 nach Paris, denn er ist in die »Zarza«, die Hochschule für angewandte Kunst in der rue Dupetit-Thouars im Sentier, aufgenommen worden. Doch technisches Zeichnen begeistert ihn nicht, und da er sehr spartanisch und beengt lebt, kann er auch nicht mehr malen, so dass er sich ganz der Grafik widmet.


Er ist kontaktfreudig und gilt als begabt, studiert Kunstgeschichte und schult sich am Vorbild der alten Meister, speziell Schongauer, Grünewald, Rembrandt, Goya und Bresdin. Doch am entscheidendsten ist gen von verdorrten Bäumen, Gebeinen, Schneckengehäusen, und endlose Horizonte. Der Rahmen seiner künftigen Arbeit ist geschaffen.


1963 stirbt sein Vater. Zugleich ist er mehr denn je entschlossen, »Künstler« zu werden; er glaubt an sich und will bis zum Äußersten gehen, ohne Einschränkung, und lehnt es ab, sich um eine Professur zu bewerben. Ihm schwebt ein radikalerer Weg vor: Er möchte als freier Künstler von seinem Werk leben. Seine Mutter unterstützt ihn in seinem Vorhaben, und er wird ihr zeitlebens dafür dankbar sein. Im Verlauf des weiteren Studiums tut er sich mit Freunden zusammen, mit denen er verschiedene Ateliers teilt, oft eiskalte, baufällige Räume. Was zählt, ist allein, dass er arbeiten kann. Er versucht auszustellen, und um seinen Unterhalt zu bestreiten, arbeitet er sogar nachts bei der Verteilerstelle der Post. Gelegentlich kehrt er jedoch auch nach Toulon zurück, um weiter im Kontakt mit seinen früheren Professoren zu bleiben. Mit viel Energie widmet er sich der Grafik; die Auseinandersetzung mit dieser Technik hat ihn nachhaltig geprägt. Leinwand, Farbe und Pinsel treten zugunsten der Kupferplatte, der Druckerschwärze und des Grabstichels tatsächlich zunehmend in den Hintergrund. Seine typische Art wird sehr früh erkennbar, denn sein erstes veröffentlichtes Radierblatt Landschaft mit abgestorbenem Baum (1961) enthält bereits die wesentlichen Elemente der künftigen grafischen Arbeit. Aus den Jahren 1964–65 stammen schließlich die ersten wirklich eigenständigen Grafiken des Künstlers, darunter eine Serie von sechs »Grotesken« mit kahlköpfigen und missgestalteten Figuren, die auf einem steinigen, unwirtlichen Gelände hocken: Es sind die Kinder Saturns. In derselben Stimmung entsteht die Radierung Illustration für ein Märchen; sie zeigt eine Teufelin in melancholischer Pose. Unter dem Einfluss von Bresdin beginnt er eine Serie schwindelerregender Landschaften mit wild bewegten Himmeln und tiefen Tälern, in denen es ständig Abgründe, Höhlen und abgestorbene Bäume gibt, und wo man hier und da auf kleine nackte Figuren stößt, verloren in der Unendlichkeit einer üppig wuchernden, aber beunruhigenden Natur. Die Ebenen verschwimmen, das Oben und Unten, die Seiten links und rechts.


Es folgen weitere Grafiken, denn der Student beschließt, sich für den Prix de Rome mit einem Kupferstich vorzubereiten, wozu ihn seine Professoren zweifellos ermuntert haben. In wenigen Monaten fertigt er insgesamt etwa zwanzig Kupferstiche und Radierungen an. Die Malerei hat er dafür vorerst ganz aufgegeben. Zum ersten Mal stellt er auch in einem »richtigen« Ausstellungsraum aus, in der Galerie Vanel in Toulon. Und es erscheinen die ersten Zeitungsartikel. Im Juni / Juli 1965 unterzieht er sich den Auswahlprüfungen des Wettbewerbs um den Prix de Rome, der für die Aufnahme in die École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris zugleich eine Bedingung ist; er wird als Bester zugelassen, eine schöne Anerkennung für das junge Talent. So kommt er im September 1965 wieder nach Paris, um in das Atelier von Robert Cami einzutreten. Diese Aufnahme in die Pariser Kunsthochschule ist für sein weiteres künstlerisches Leben von entscheidender Bedeutung, nicht zuletzt durch die Begegnung mit anderen Gleichgesinnten, die ihn nachhaltig prägen werden.


Das gilt vor allem für den ein Jahr älteren François Lunven, einen hochbegabten Künstler, der sehr reif und zweifelsohne etwas labil ist. Lunven ist ebenfalls Grafiker, sie lesen gemeinsam Bücher über Philosophie und Esoterik, und sie begeistern sich für Poesie … Sie arbeiten beide im Atelier Lacourière-Frélaut und beeinflussen sich gegenseitig. Velly, der inzwischen die Malerei ganz zurückgestellt hat, bereitet seine Mappe für die Zulassung zur zweiten Runde des Prix de Rome vor. In dieser Zeit freundet er sich auch mit Mordechai Moreh an, einem anderen jungen, in Bagdad geborenen Grafiker, der in Florenz studiert hat. Und er trifft eine junge, bezaubernde und mutige Frau, Rosa Estadella García, die aus Barcelona stammt und bei Lucien Coutaud studiert. Auch sie gilt als sehr begabt.


Als Übung für das beim Prix de Rome vorgeschriebene Thema eines weiblichen Akts, mindestens dreißig Zentimeter groß, entsteht der Kupferstich Die Alte, das Bild einer alten, melancholischen Frau am Rande eines Abgrunds. Im Anschluss daran, von Februar bis Juni 1966, arbeitet er endlich in vollkommener Zurückgezogenheit als Prüfungskandidat in Klausur an dem Werk Der Schlüssel der Träume, und zwar ausschließlich mit dem Stichel. Am 20. Juli legt er die mündliche Prüfung vor einer Jury ab, die aus etwa zwanzig Teilnehmern (Professoren, Kunstkritikern, Mitgliedern der Akademie der Schönen Künste) besteht. Er erhält den ersten Preis und bekommt ein Stipendium mit Aufenthalt von 40 Monaten in der Villa Medici, Sitz der Académie de France in Rom. Dieser mehr als dreijährige Aufenthalt wird sich für ihn als ganz entscheidend erweisen. In der Zwischenzeit verbringt er den Sommer in Audierne, wo er unter anderem eine Holzskulptur in der Kirche St. Raymond restauriert. Am 30. Oktober heiratet er Rosa Estadella García standesamtlich; die kirchliche Trauung findet am 20. Dezember in Barcelona statt, als Priester fungieren Vettern von Rosa.


Zu Jahresbeginn 1967 ziehen Rosa und Jean-Pierre nach Rom in die Villa Medici. Er erhält 500 000 Lire monatlich, womit seine relativ miserable finanzielle Situation als Student endlich ein Ende hat. Und er stürzt sich in die Arbeit: Über dreißig großartige Platten – darunter seine bedeutendsten Werke – entstehen schließlich während seines Aufenthalts in Rom, ein Drittel seines gesamten grafischen Schaffens.


In der Villa befreundet er sich mit Gérard Barthélémy, der den Prix de Rome für Malerei erhalten hat und später in Paris Karriere machen wird. Weitere Kommilitonen sind die Bildhauer Louis Lutz und dessen Frau, das Paar Jean Marc Lange und Jacqueline Georges Deyme, sowie Denis Mondineu, von dem er ein kleines Silberstift-Porträt anfertigt. Velly hatte offenbar jedoch nur wenig Kontakt mit Balthus, trotz der Vielzahl von Gemeinsamkeiten zwischen beiden, was nicht überraschend ist.


Ein weiteres wichtiges Ereignis kündigt sich an: Rosa, die auch sein Modell ist, ist schwanger. Diese Schwangerschaft wird das Thema zahlreicher Grafiken, so in Mutterschaft mit Katze, Mutterschaft 1 & 2, Rosa in der Sonne. Das hindert ihn jedoch nicht daran, auch Traumfiguren oder Alptraumgesichte zu schaffen wie Maskerade für ein gezwungenes Lachen (zweifellos eine Hommage an den »verfluchten« Poeten Tristan Corbière, der später in seinen Werken zu finden sein wird) und das Triptychon Langsamer Walzer für den Anaon, Werke, die schon auf seine zukünftigen Arbeiten hindeuten. Diese Gespenster, diese Phantome sind tot geglaubte Geister: In der Tat, in bretonischen Sagen ist der Anaon der Geist des im Meer ertrunkenen Seemanns, der keine Grabstätte hat und die Lebenden nicht in Ruhe lässt. Vellys Landschaften sind voll von liegengelassenen Gegenständen, von Unrat: Er stellt Müllhaufen dar, Autofriedhöfe, über die sich ein drohender Himmel wölbt.



In dieser Zeit trifft er Philippe Berthier, einen jungen Intellektuellen, der ein Italien-Stipendium erhalten hat und in Rom wohnt, um eine Forschungsarbeit über Stendhal zu schreiben. Sie unterhalten sich über Philosophie wie über Kunst, Themen, für die sich beide bei ihren ausgedehnten Spaziergängen in den Straßen der Ewigen Stadt begeistern.


Hinzu kommen nun auch Ausstellungen, die wichtig werden, erst in der Schweiz, dann in Paris, wo er den Preis der Rom-Stipendiaten gewinnt. Es gelingt ihm auch mit Erfolg, seine Grafiken in der Villa Medici zu verkaufen. Seine Ernsthaftigkeit, sein Fleiß, seine rätselhafte Persönlichkeit – all das zeichnet ihn aus. Die Zeitschrift Plaisir de France widmet ihm mehrere Seiten im Rahmen einer Recherche über die Villa Medici. Ein Grafikhändler aus Mailand, Amadeo Sigfrido von der Galerie Transart, entdeckt ihn – wie auch François Lunven – und organisiert seine erste Ausstellung in Italien, zu der es einen schönen Katalog mit sorgfältig hergestellten Abbildungen gibt. Der Erfolg lässt nicht auf sich warten: Etwa einhundert Grafiken werden verkauft, und es erscheinen auch Artikel in der Presse. So wird schließlich Domenico Petrocelli auf ihn aufmerksam, ein Journalist, zehn Jahre älter als er und voller Begeisterung für sein Werk. Petrocelli öffnet ihm wichtige Türen, vermittelt zahlreiche Kontakte und stellt ihn befreundeten Journalisten, Sammlern und Händlern vor.


1970 neigt sich sein Aufenthalt in der Villa Medici dem Ende zu. Noch im gleichen Jahr entstehen weitere grafische Blätter: Susanna im Bade sowie die Serie der vier Metamorphosen, und er beginnt mit Das Massaker an den Unschuldigen. In Rom trifft er auch die de Brisis, eine französische Familie, die dort lebt und bei ihm ein Exlibris bestellt.


Der Erfolg der Ausstellungen in Mailand und in der Schweiz, seine Begegnung mit Petrocelli, all das bestärkt ihn in dem Gedanken, in Italien zu bleiben, anstatt nach Frankreich zurückzukehren, genauer gesagt in die Bretagne, wo er inzwischen nicht weit von Audierne ein Haus gekauft und sogar schon das Dach repariert hat. Doch selbst obwohl man ihm eine bedeutende Stelle an der École Polytechnique bei Paris angeboten hat, steht sein Entschluss fest.


Wiederum ist es Petrocelli, der ihn zum ersten Mal nach Formello mitnimmt, einen kleinen, abgelegenen etruskischen Ort ca. 25 Kilometer von Rom entfernt, wo er sich bald niederlassen wird. Zugleich bereitet Velly eine neue Ausstellung vor, dieses Mal in Granges, dann bald darauf in Neapel, und das alles dank Petrocelli. Dieser stellt ihn auch Giuliano De Marsanich von der Galerie Don Chisciotte in Rom vor, eine Begegnung, die für beide Männer von entscheidender Bedeutung sein wird. De Marsanich ist vierzehn Jahre älter als Velly. Nach einem erfolglosen Jurastudium eröffnet er 1963 eine Galerie in der Nähe der Piazza del Popolo, nicht weit von der Via Margutta und der Villa Medici, und stellt zunächst Malerei der Römischen Schule aus. Velly überrascht ihn, der Mensch ebenso wie sein Werk. Unverzüglich (März 1971) wird eine Grafik-Ausstellung organisiert. De Marsanich wird nicht nur der von dem Künstler faszinierte Galerist, und das noch lange über dessen Tod 1990 hinaus, sondern auch ein sehr enger Freund; er wird der »Mäzen«, von dem jeder Künstler träumt, der ihm erlaubt, ohne Geldsorgen frei zu leben und sich voll und ganz dem künstlerischen Schaffen zu widmen, ohne sich um Ausstellungen kümmern zu müssen oder in Paris Entwürfe für Briefmarken zu stechen.


Die Kontinuität in der Produktion druckgrafischer Arbeiten lässt in der Folge jedoch nach: Inzwischen sind etwa siebzig Platten entstanden, vier Fünftel seines grafischen Werks. Dabei ist er noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Er widmet sich jetzt weniger dem Kupferstich als der Silberstiftzeichnung; es sind hauptsächlich realistische Porträts seiner Frau Rosa, seines Sohnes Arthur, von jungen und alten Menschen aus Formello, und Zeichnungen von seinem Hund Pirouette sowie einige wenige Landschaftsansichten. Diese Zeichnungen sind von Mai bis Juni 1972 Gegenstand einer Einzelausstellung wiederum in der Galerie Don Chisciotte in Rom; dazu gibt es einen kleinen Katalog, der deutlich macht, dass Reproduktionen die Originale nur sehr bedingt wiedergeben können. Das Werk Vellys, insbesondere aber die Silberstiftzeichnungen, zu reproduzieren oder auch nur zu fotografieren, ist eine Herausforderung.


Velly bleibt jedoch weiterhin auch Amadeo Sigfrido treu, der ebenfalls Ausstellungen für ihn organisiert. Vermutlich in dieser Zeit (1973–74) kauft er ein Haus in Formello und restauriert es, was ihm durch den Erfolg seiner Ausstellungen und den damals niedrigen Immobilienpreisen möglich wird. Das Leben Vellys in Formello verläuft in gewohnten Bahnen: Er verbringt seine Zeit im Atelier, einem kleinen, düsteren Raum, in dem an Schnüren Dutzende von Knochen kleiner Tiere, von vertrockneten Libellen und Eidechsen, Vogelgerippen und verwelkten Blumen von der Decke hängen, Dinge, die er bei zahllosen Spaziergängen in der Umgebung aufgesammelt hat. Er sammelt nicht nur Knochen, sondern auch überfahrene und vertrocknete Frösche, verlassene Vogelnester oder Vogelfedern, leere Schneckengehäuse, abgefallene Blüten und Blätter, und manchmal auch eine Scherbe von einem etruskischen Tongeschirr. Seine Regale sind voll von Gläsern mit kleinen Tieren in Formalin und mit menschlichen Schädeln, die er ebenfalls in der Umgebung gefunden oder für einige Tausend Lire auf dem Flohmarkt an der Porta Portese gekauft hat. Hölzerne Puppen und Schiffsmodelle fangen den Staub, während Insekten in Vitrinen säuberlich mit Nadeln festgesteckt sind. Über diesen Ansammlungen findet sich ein kleines Papier mit dem Hinweis: »Hier drinnen nichts anfassen.« In einer Ecke thront eine große, schwere Maschine aus Holz, die noch aus dem Mittelalter zu stammen scheint: Es ist eine Kupferstichpresse, die er selbst konstruiert hat. Zuerst macht er die Drucke seiner Grafiken selbst, dann vertraut er sie Antonio Sannino an, einem Kupferstichdrucker in Trastevere.


Velly trägt eine weite blaue Matrosenjacke, unförmige Hosen, Wollhemden und Holzpantinen, die er aus Frankreich mitgebracht hat. Man erkennt ihn, »Gianpietro«, mit seiner wilden Mähne schwarzer Locken schon von weitem. Man trifft ihn in der Bar Sabatino, nur wenige Schritte vom Atelier entfernt, wo er mit seinen Freunden aus Formello ein oder zwei Biere trinkt. Er scherzt, witzelt, erfindet Geschichten, und alle Welt glaubt ihm. Denn er genießt ein ungeheures Ansehen. Man denke nur: Ein bekannter französischer Künstler, über den die Zeitungen schreiben, in Formello!


In den Jahren 1973 bis 1975 entstehen indes insgesamt nur wenige Arbeiten, keine Zeichnungen und nur fünf Grafiken. Befindet sich der Künstler in einer Krise? Immerhin hat er zwei oder drei Ausstellungen pro Jahr, und in der Presse werden seine Arbeiten lobend erwähnt. Die berühmte Galerie Forni in Bologna organisiert 1975 für ihn eine Ausstellung in Amsterdam. In dieser Zeit dreht Michel Random in dem kleinen Atelier des Künstlers in Formello eine Velly gewidmete Sequenz für seinen Film »L’Art Visionnaire«. Es ist ein einmaliges Dokument: die einzigen Filmaufnahmen, die es von dem Künstler gibt.


In diesem Dokumentarfilm wird seine einzige Grafik aus diesem Jahr gezeigt, das Blatt Häuft keine Schätze an. In dem mit ihm geführten Interview definiert er die Leitgedanken seiner Philosophie: die Einheit und die Gleichheit, die alles vereint.


In Frankreich ist er nur wenig bekannt: Er hat den Galerien von Saint-Germain-des Prés zwar Grafiken überlassen, doch keine von diesen hat sich sonderlich aktiv für seine Arbeiten eingesetzt; im Oktober 1976 bekommt er schließlich jedoch eine Ausstellung in der Galerie des Grands Augustins, wo der Händler Claude Bernard seine Arbeiten entdeckt und ein Dutzend Blätter kauft. Die Galerie Bernier und Michèle Broutta werden auf ihn aufmerksam. Michel Random organisiert seinerseits Wanderausstellungen mit Grafikern der französischen Schule, allen voran Le Maréchal, aber auch mit jüngeren Künstlern wie Rubel, Desmazières, Moreh, Doaré und Mohlitz. Es ist der Beginn einer informellen Bewegung, l’Art Visionnaire. 1977 wird seine Tochter Catherine geboren. Im gleichen Jahr stellt er zudem seine grafischen Arbeiten bei Aberbach Fine Art, einer international bedeutenden Galerie, in London aus; doch es bleibt seine einzige Ausstellung in England. Eine weitere Exposition findet durch Vermittlung von Leonardo Sciascia, einem Grafik-Liebhaber, der Velly dem Verleger Sellerio vorstellt, in Palermo statt. Aus diesem Anlass signiert Velly seinen ersten Buchdeckel; es handelt sich um einen Text von Alberto Savinio: »Torre di Guardia«.


Doch es ist auch das Jahr der Rückkehr zur Farbe. Seit vielen Jahren schon haben ihn die Gedichte von Tristan Corbière inspiriert. Als Illustration zu den Versen des bretonischen Dichters schafft er nun eine Serie von insgesamt etwa fünfundzwanzig Arbeiten. Es sind kleinformatige Bleistiftzeichnungen, deren Wirkung durch Aquarellfarben leicht betont wird; bald mischt er auch die Technik des Aquarells mit Tusche und Farbstiften. Ihn beschäftigt ein einziger Gedanke: das Geheimnis des Todes und der Wanderung der Seele, die manchmal auch zu den Sternen zurückkehrt.


Die Galerie Don Chisciotte organisiert schnell eine Ausstellung (1978), begleitet von einem Buch mit einem schwarzen, etwas düsteren Schutzumschlag unter dem Titel »Velly zu Corbière«, das viele Abbildungen und, als Vorzugsausgabe, die einzige farbige Grafik des Künstlers enthält, das Blatt Rondels für danach. Die Gedichte von Tristan Corbière sind von dem italienischen Dichter und Schriftsteller Lucio Mariani übersetzt worden, der eines der erfolgreichsten Rechnungsbüros in Rom leitet. Mariani entdeckt sein leidenschaftliches Interesse an Velly. Und er bringt zahlreiche Bekannte in die Galerie Don Chisciotte: Industrielle, Geschäftsleute und Politiker bilden bald eine neue, zuverlässige Klientel für den Künstler. Die Galerie organisiert außerdem in regelmäßigen Abständen literarische Soireen, bei denen Theaterleute wie Vittorio Gassman Gedichte oder auch längere Monologe rezitieren. Es ist ein glanzvoller Salon, wo sich Künstler, Schriftsteller (wie Alberto Moravia), Journalisten, Musiker und ein gewisser Jetset Roms aus Geschäftsleuten und Filmschaffenden treffen.


Giuliano de Marsanich wird zum Verleger der Grafiken Vellys und bietet noch im gleichen Jahr das Werk Ein Punkt, das ist alles an, eine Radierung, auf der unzählige Gegenstände zu sehen sind, die von einem höllischen Wirbelsturm in einem endlosen Strudel hinweggerissen werden.


Um diese Zeit trifft Velly Elisabeth Bascou, mit der er in Formello, im Atelier »Schwarz und Weiß«, Grafikkurse organisiert. Aber der Erfolg hält sich in Grenzen: Auf dem Lande sind entsprechende Schüler selten. Doch die Ausstellungen häufen sich: 1979 stellt er in Padua, Brescia, Turin und Molfetta aus, und zwar ausschließlich Grafik, denn seine Unikate sind für eine Ausstellung in der Galerie Don Chisciotte im Jahr 1980 reserviert. Velly hat sich in der Tat wieder aktiv der Malerei zugewandt, insbesondere dem Aquarell, aber auch dem Ölgemälde. In einer ganzen Serie wendet er sich dieses Mal Tieren zu, die von Menschen in der Regel verabscheut werden (Skorpione, Eulen, Fledermäuse, Insekten, Frösche). Was entsteht, ist ein Bestiarium des Mitleids; diese Tiere, wie in der Buchmalerei des Mittelalters in Schülerhefte gemalt, sind von Menschenhand getötet, aufgespießt, getrocknet, ausgestopft.


Und schließlich erscheint – es war ein langwieriges Projekt – der systematische Werk-Katalog der Grafiken, zusammengestellt von Professor Didier Bodart unter aktiver Mitwirkung des Künstlers. Das Vorwort stammt von dem Schöngeist Mario Praz, einer Autorität in Sachen Kunst; in seinem einfühlsamen Text betont er den Einfluss des Mittelalters und der Renaissance auf das Werk des Künstlers. Das Buch wird auf der Retrospektive der Grafiken Vellys in den Räumen des französischen Kulturzentrums in Rom an der Piazza Navona vorgestellt. Parallel dazu findet in der Galerie Don Chisciotte die Ausstellung »Das verlorene Bestiarium« statt, begleitet von einem Buch wieder mit schwarzem Umschlag, das in allem dem vorangegangenen »Velly zu Corbière« ähnelt. Jedoch – und das ist eine Premiere – ergänzt der Künstler hier die Abbildungen seiner Werke selbst durch eigene »Texte«. Es ist eine Serie von Haikus, kurzen Gedichten, in denen es dem Künstler gelungen ist, seine tiefsten Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Er scheut sich übrigens später auch nicht, in seine Werke kleine Kritzeleien einzufügen, die oft mysteriös und elliptisch sind.


Nach den toten Kreaturen wendet sich Velly der Pflanzenwelt zu. Von 1980 an beginnt er »Vasen mit Blumen« zu malen, wobei es sich bei den Blumen eigentlich viel prosaischer um Kräuter handelt, um Gräser, Wiesenblumen, Brennnesseln sogar, eingefügt in Meeresblicke oder auch Binnenlandschaften, umgeben von dämmerigem oder gar nächtlichem Licht. Denn für Velly gibt es nichts Schönes oder Hässliches. Es gibt keine »Un-Kräuter« und keine »schönen« Blumen. Jedes Ding, jedes Wesen ist dem anderen gleich.


1982 zeigt Giuliano de Marsanich auf der FIAC in Paris Vellys neueste Arbeiten. Zu dieser Ausstellung gibt es einen Katalog mit einem Vorwort von Alberto Moravia und Jean Leymarie, und auch sie ist ein voller Erfolg: Giuliano de Marsanich verkauft 25 Werke, das heißt alle zur Messe mitgebrachten Arbeiten.


Claude Bernard schickt seine Kunden zu de Marsanich und kauft selbst ein halbes Duzend Werke. Im Jahr darauf gibt es eine Retrospektive der Grafiken, organisiert von der Galerie Michèle Broutta in Paris, die aus diesem Anlass die Radierung Vase mit Blumen II herausgibt. 1984 findet eine wichtige Ausstellung des Künstlers in Mailand (Galerie Gian Ferrari) statt, auf der es wieder um das Thema Blumen geht. Im gleichen Jahr wird von der Galerie Don Chisciotte zudem ein dritter, den vorangegangenen Serienausgaben ähnlicher Band mit dem Titel »Jenseits der Zeit« veröffentlicht, der mit je einem Text von Alberto Moravia und Jean Leymarie versehen ist. Zu jener Zeit beginnt auch Vellys Zusammenarbeit mit dem Institut Montecelio, wo er mehrere Jahre Grafikkurse gibt. Denn er will den jungen Künstlern in ihrer Ausbildung etwas mit auf den Weg geben: ein Wissen, eine Technik und zweifellos auch eine gewisse Art des »Sehens«.


Es folgt eine Begegnung mit dem bedeutenden Kunstkritiker und Schriftsteller Giorgio Soavi, der von Velly als Künstler und als Mensch begeistert ist. Soavi ist künstlerischer Berater einiger wichtiger italienischer Sammler. Auf sein Betreiben hin beschließt die Firma Olivetti den Kauf und die Veröffentlichung von dreizehn Aquarellen Vellys in ihrem Kalender für das Jahr 1986: eines für jeden Monat und eines für das Titelblatt. Dieser Kalender eines der bedeutendsten Unternehmen für Datenverarbeitung wird an die VIPs aus der Industrie und der Geschäftswelt versandt. Die Verwirklichung dieses Auftrags hat einige Zeit in Anspruch genommen und den Künstler einen Großteil des Jahres 1985 beschäftigt, das überhaupt ein sehr produktives Jahr wird: Wieder entstehen hauptsächlich verwelkte Blumen, mit oder ohne Vase, in einer abendlichen Landschaft. Und er zeichnet das erste Bild einer Serie »naturgetreuer« Selbstporträts.


1986 ist wieder ein »Glücksjahr«. Es entstehen etwa zwanzig Werke, darunter ein ganzfiguriges Selbstporträt in Öl, Sonnenuntergänge über dem Meer, Landschaften aus der Umgebung von Rom, und er beginnt wieder weibliche Akte zu zeichnen, dieses Mal mit Bleistift, aber auch mit Rötel, manchmal auch auf rotbraunem Papier. Überhaupt ist die Wahl des Papiers überaus wichtig: Insbesondere altes Papier liebt er sehr, Papier mit Charakter und mit vielen Rissen. Die Galerie Don Chisciotte stellt seine neuesten Werke aus und veröffentlicht einen weiteren Katalog, diesmal mit einem Vorwort von Marisa Volpi, einem kenntnisreichen Text, in dem sie Vellys Werk mit der Empfindsamkeit der deutschen Romantik des 19. Jahrhunderts in Verbindung bringt.


1987 beschäftigt er sich wieder verstärkt mit der Zeichnung: Neben Selbstporträts beginnt er mit einer Serie von meist weiblichen Akten. In diesem Jahr entsteht auch das Aquarell Die Verzweiflung des Malers, das der große italienische Sammler Pietro Barilla erwirbt. Er kauft über zwanzig Gemälde, Zeichnungen und Aquarelle und ist bald einer der wichtigsten Kunden des Künstlers.


Auch 1988 erweist sich als ein erfolgreiches Jahr, das geprägt ist von der Rückkehr zur Farbe. Es entstehen Aquarelle (Landschaften und Vasen mit Blumen) und Ölgemälde (Landschaften und ein hervorragendes Selbstporträt) sowie Zeichnungen von Bäumen mit endlosen Verästelungen. Dabei bedient er sich verschiedener Formate. Und der Erfolg bleibt ihm treu: Zum 25-jährigen Jubiläum der Galerie Don Chisciotte gibt de Marsanich einen wunderschönen Katalog mit den neuesten Werken heraus. Das Vorwort stammt von einem jungen Kritiker, der Karriere machen wird, Vittorio Sgarbi. Der Titel: »Velly jenseits von Velly oder die Hoffnung des Nichts«. Es ist einer seiner schönsten Texte, worin er den Willen des Künstlers, den letzten Atemzug erstarren zu lassen, betont: »Alles Lebendige ist im Begriff, zu Ende zu gehen: Man entdeckt es in dem Augenblick, der dem Verschwinden vorausgeht. Und es ist dieser letzte Augenblick permanenter Agonie, den Velly auf seinem Gesicht wie in der Natur festhalten möchte. Nur dies ist Schönheit: nicht das Nichts, sondern das, was im Begriff ist, zu Ende zu gehen. Alle Lebenskraft konzentriert sich auf diesen Punkt, und man gewinnt daraus die äußerste Energie; denn indem sie sich der Zeit widersetzt, ist die Kunst der letzte Aufschrei des Lebens.«


Noch im November des gleichen Jahres gibt der Verlag Elli e Pagani ein Buch über den Künstler mit einer Auswahl von Werken aus den achtziger Jahren heraus. Die Texte dazu werden von Roberto Tassi und Giorgio Soavi verfasst. Auch Velly selbst schreibt, und zwar eine großartige Novelle: »Wenn der Junge den Berg sieht«, eine Art poetisches Testament, das auf vielfältige Weise ausgelegt werden kann.


1989 entstehen hauptsächlich großformatige Bilder von Bäumen und Waldland-schaften aus der Umgebung von Rom, mal als Bleistiftzeichnung, dann wieder als Aquarell oder Ölgemälde. Die grosse Stunde, das größte Bild des Künstlers, zeigt ein kleines Haus auf dem Gipfel eines Felsens, das, teilweise von Bäumen verdeckt, von einem überwältigend schönen Himmel im Dämmerlicht überstrahlt wird. Und er fertigt eine Bleistiftzeichnung seines »Mäzens« Giuliano de Marsanich an, unter die er das Bekenntnis setzt: »Meine Grenzen sind unermesslich«.


Für Olivetti entsteht in Mezzotinto das Blatt Winterblumen, ein Themas, das er zuvor schon einmal für denselben Kunden ausgeführt hat. Eine schöne Anerkennung für ihn ist 1989 eine Einzelausstellung in der Galerie La Sanseverina in Parma, auf dem Boden von Pietro Barilla. Die wichtigsten Presseorgane schreiben über die Ausstellung, und Velly erlangt eine gewisse Berühmtheit, was jedoch in keiner Weise dazu führt, dass er an seiner einfachen und nachlässigen Kleidung oder an seinem Charakter etwas ändert; er ist manchmal scheu und distanziert, dann wieder gesprächig und witzig. In der Zeitschrift »Grafica« erscheint ein recht umfangreicher Text von Ivana Rossi über sein grafisches Schaffen.


Abgesehen von der wunderschönen Vase mit Blumen, jetzt in der Sammlung Olcese, widmet er sich 1990 ganz der romantischen Landschaft mit Sonnenuntergängen (an der Grenze zum Abstrakten in Die rote Sonne), und es entstehen zwei fast monochrome Werke mit Sturmböen über dem Meer.


Eine solche Sturmböe ist es auch, die ihn an jenem unseligen Tag im Mai 1990 aus dem Boot in das eiskalte Wasser des Bracciano-Sees schleudern wird. Formello steht unter Schock, Verwandte und Freunde sind zutiefst erschüttert.

Trotz intensiver Suche wird seine Leiche nie gefunden. Kurz vor seinem Tod hat der Künstler Jean-Marie Drot (1985–1994 Direktor der Académie de France in Rom) ein Interview gegeben, bei dem er gefragt wird: »Jean-Pierre Velly, Ihr Werk scheint nicht zeitgemäß. Mit Stolz, Eleganz und Hartnäckigkeit setzen Ihre Arbeiten das fort, was man als die Renaissance, jene große italienische Strömung, bezeichnen könnte; wie erleben Sie diese Situation als Künstler außerhalb der Aktualität der gegenwärtigen Bestrebungen?«, worauf Velly erwidert: »Ich werde Ihnen eine ganz einfache Antwort geben. Ich bin ein Mann der Gegenwart, ich spreche hier und jetzt mit Ihnen; ich bin kein Phantom, und daher finden sich Spuren der Gegenwart in dem, was ich tue. Ohne dass ich es will. Ich hätte gern, dass es keine Spuren gäbe, dass ich aus meiner Arbeit jede Art von Historizität streichen könnte. Das würde dann zu einer sehr viel umfassenderen Aussage führen, einer menschlicheren. Das ist es, worum ich mich bemühe. Wenn ich einen Stift in der Hand habe, möchte ich zeichnen, die unpersönlichste Sache, die es gibt, festhalten. Das wäre mein Ideal. Das möchte ich.«


Es werden zahlreiche Hommagen für den Künstler organisiert: von seinen Freunden aus der Jugendzeit in Revest bei Toulon, von der Galerie Forni in Bologna und der Galerie Don Chisciotte in Rom, dazu im Institut Montecelio, wo der Künstler unterrichtet hat; und Michel Random widmet ihm die neue Ausgabe seine Buches »l’Art Visionnaire«.



Für den Zeitraum Oktober / November 1993 organisiert Jean-Marie Drot eine Retrospektive in der Villa Medici: Die Ausstellung umfasst 121 Unikate und 47 Grafiken. De Marsanich ist der Kurator der Ausstellung, die noch mit Unterstützung von Pietro Barilla zustande kommt, der zugleich einen Teil seiner Bilder von Velly innerhalb der Ausstellung »Die Sammlung Barilla – moderne und zeitgenössische Kunst« in der Magnani-Rocca Stiftung nahe Parma präsentiert.


1994 stellt die Galleria del Leone 42 Grafiken und zwei Zeichnungen von Velly auf der Messe »Du Fantastique au Visionnaire« (Vom Phantastischen zum Visionären) in Venedig aus. Im selben Jahr organisiert die Galerie Belfond in Paris eine Retrospektive der Grafiken. – Jahre vergehen. Dank einer ganzen Reihe von Leihgaben der Familie und von de Marsanich gelingt es 1998 der Galleria dell’Incisione in Brescia, eine sehr schöne Ausstellung mit Werken von Velly zu organisieren. Doch Rosa ist krank und stirbt im November 2000 in Rom.


Schenkungen des Künstlers, von Rosa, Arthur und Catherine Velly ermöglichen dem Museo dell’Agro Veientano (Palazzo Chigi) in Formello im Frühjahr 2002 eine Ausstellung des gesamten grafischen Œuvres. Die Zusammenstellung des umfangreichen Katalogs wurde im Auftrag der Stadt Formello und des Museums von Prof. Giuseppe Appella besorgt. 2003 findet eine erste Ausstellung mit Werken Vellys in einem französischen Museum statt, im Musée d’Art Roger-Quilliot in Clermont-Ferrand, wo das gesamte grafische Werk gezeigt wird. Michèle Broutta kuratiert 2006 eine Ausstellung mit dem Titel: »Les Visionnaires: au-delà du Surréalisme« (Die Visionäre jenseits des Surrealismus) in Rueil-Malmaison, auf der unter anderem auch etwa zwanzig Werke von Velly gezeigt werden. Im darauffolgenden Jahr widmet die Stiftung »Il Bisonte« in Florenz Velly die erste Ausstellung ihres Zyklus über die großen Grafiker des 20. Jahrhunderts. Unter dem Titel »Die Melancholien des Jean-Pierre Velly« erscheint dazu ein Katalog mit Vorwort von Maxime Préaud, Generalkonservator der Grafiksammlung der Nationalbibliothek in Paris.


Julie und Pierre Higonnet sind Kuratoren der Velly-Retrospektive, die Ende 2009 / Anfang 2010 im Panorama Museum Bad Frankenhausen stattfindet.



Einzelausstellungen


1965 Toulon, Frankreich, Galerie Vanel

1968 Bern, Schweiz, Galerie Anlikerkeller

1969 Mailand, Italien, Galleria Transart   (katalog)

1970 Grenchen, Schweiz, Galerie Toni Brechbühl

1970 Neapel, Italien, Galleria d’Arte San Carlo

1971 Padua, Italien, Galleria Caleidoscopio

1971 Rom, Italien, Galleria Don Chisciotte

1971 Turin, Italien, Galleria Davico

1972 Bern, Schweiz, Galerie Schindler   (katalog)

1972 Modena, Italien, Galleria Wiligelmo

1972 Rom, Italien, Galleria Don Chisciotte   (katalog)

1973 Cremona, Italien, Galleria Botti

1973 Quimper, Frankreich, Galerie Fouillen

1974 Rom, Italien, Galleria Don Chisciotte   (katalog)

1975 Mailand, Italien, Galleria Transart

1976 Paris, Frankreich, Galerie »l‘Œuf du Beau-bourg«

1976 Amsterdam, Niederlande, Galleria Forni

1977 Palermo, Italien, Sellerio

1977 Brindisi, Italien, Circolo d’arte Falento

1977 London, Großbritannien, Aberbach Fine Art

1978 Rom, Italien, Studio S. Arte contemporanea

1978 Pescara, Italien, Galleria Arte d’Oggi

1978 Rom, Italien, Galleria Don Chisciotte, Velly pour Corbiere   (katalog)

1978 Bari, Italien, Expo Arte

1979 Brescia, Italien, Galleria Schreiber

1979 Padua, Italien, Galleria d’Arte Stevens

1979 Turin, Italien, Art Club

1979 Molfetta, Italien, Galleria l’Incontro

1980 Concarneau, Frankreich, Galerie Gloux

1980 Rom, Italien, Centre Culturel Français   (katalog)

1980 Rom, Italien, Galleria Don Chisciotte, Bestiare perdu   (katalog)

1981 Rom, Italien, Temple University, Tyler School of Art

1982 Formello, Italien, L’Arca Antichità

1982 Paris, Frankreich, FIAC   (katalog)

1983 Paris, Frankreich, Galerie Michèle Broutta

1984 Rom, Italien, Galleria Don Chisciotte   (katalog)

1984 Mailand, Italien, Galleria Gian Ferrari   (katalog)

1986 Rom, Italien, Galleria Don Chisciotte   (katalog)

1988 Rom, Italien, Galleria Don Chisciotte (katalog)

1989 Parma, Italien, Galleria Sanseverina (katalog)

1991 Le Revest, Frankreich, Association Elstir

1991 Rom, Italien, Galleria Don Chisciotte (katalog)

1992 Bologna, Italien, Galleria Forni   (katalog)

1993 Rom, Italien, Académie de France, Villa Medici

(katalog) part 1     part 2    part 3     part 4

1994 Paris, Frankreich, Galerie Belfond

1998 Brescia, Italien, Galleria dell’Incisione  (katalog)

2002 Formello, Italien, Museo dell’Agro Veientano  (katalog)

2003 Clermont-Ferrand, Frankreich, Musée d’Art Roger-Quilliot  (katalog)

2007 Florenz, Italien, Fondazione Il Bisonte  (katalog)

2009 Bad Frankenhausen, Deutschland, Panorama Museum   (katalog)

2016 Rom, Palazzo Poli, L’Ombra e la Luce  (katalog)

2017 Jean-Pierre Velly, Fondazione Lattes, Torino

2017 Formello, Velly all'olio di Formello (katalog)